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Grafik Industrieanlage

Patent-Wasserrohrdampfkessel

1911

Wasserrohrdampfkessel im Ausstellungsraum

Patent-Wasserrohrdampfkessel, Deutsche Babcock & Wilcox Dampfkessel-Werke AG, Oberhausen, 1911, Stahl, Messing, Glas, Holz, Stein, 455 x 255 x 701 cm, Inv. Nr.: ob 92/1809

Zu Beginn der Industrialisierung waren schwere Verletzungen oder Todesfälle bei Dampfkesselexplosionen trauriger Alltag. Dieser Dampfkessel der Fa. Babcock & Wilcox, Oberhausen, bot dem Heizer Arbeits- und den Fabriken Produktionssicherheit. Durch sein ausgeklügeltes System aus Rohren wurde der Dampfdruck im Kessel auf eine größere Fläche verteilt und die Gefahr einer Explosion minimiert.


„1. Der Heizer muß sich vor allem eines soliden und nüchternen Lebenswandels befleißigen." Allein: diese und 21 weitere Bestimmungen einer Betriebsordnung für Dampfkesselheizer reichten wohl nicht, um Kesselxplosionen zu verhindern. Explosionen waren das Schreckgespenst der frühen Tage der Dampferzeugung. Wenn der Druck im Kessel zu hoch wurde, kam es nicht selten zu „plötzlichem Bersten der Kesselwandung und heftiger Fortschleuderung von Bruchstücken und siedendem Wasser". Dann lag der Betrieb erst einmal still, denn ohne funktionsfähige Kesselanlage gab es keinen Dampf für die Dampfmaschine, ohne laufende Dampfmaschine keinen Antrieb für die Produktionsmaschinen. Aber schlimmer noch war, dass bei Kesselexplosionen meistens Menschen verletzt oder getötet wurden.


Ebenso wie viele technische Verfahren waren die Eigenschaften der Materialien und Werkstoffe zu Beginn der Industrialisierung kaum erforscht und ausgetestet. Erfahrungen und Kenntnisse gewann man häufig nach dem Prinzip von „trial and error". Die ersten „Großwasserraumkessel" waren einfache Zylinderkessel, Einraumbehälter, auf deren Wänden der Wasser- und Dampfdruck ungehindert lastete. Daneben gab es sogenannte Flammrohrkessel, durch deren Wasserbehälter Rohre mit heißen Verbrennungsgasen liefen. Bei ihnen war aber der Heizeffekt und damit die Dampferzeugung relativ gering. Einer der Vorreiter des Verfahrens, den Druck bei gleichzeitiger günstiger Wärmeausnutzung besser zu verteilen, war die Firma Babcock & Wilcox in Oberhausen. Sie entwickelte einen Kessel mit einem Bündel von schräggestellten nahtlosen Siederohren, in denen sich der Dampfdruck auf eine wesentlich größere Wandfläche verteilte. Schon bei geringer Blechstärke war der Kessel ausgesprochen widerstandsfähig. Gab es doch einmal eine Explosion, beschränkte sie sich meist auf eine geringe Anzahl der Röhren und richtete deshalb weniger Schaden an.


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