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Pressemeldung

27. Februar 2020 | Bergisch Gladbach

Vom Abort zum Designer-WC

Ausstellung im LVR-Industriemuseum Papiermühle Alte Dombach zeigt die Entwicklung des Klosetts sowie der Toiletten- und Hygienepapiere

Begleiten Sie uns auf die Toilette! In der neuen Sonderausstellung „Von der Rolle – KloPapierGeschichten“ im LVR-Industriemuseum Papiermühle Alte Dombach erfährt man ab dem 1. März 2020 zwischen weiß gefliesten Wänden und jeder Menge Klo-Graffiti Interessantes über die Geschichte des ‚stillen Örtchens‘, den Umgang mit Hygienepapieren und auch mancherlei Unausgesprochenes über das Klo. Die Ausstellung ist in Kooperation mit dem LWL-Freilichtmuseum Detmold, Westfälisches Landesmuseum für Alltagskultur, entstanden.


Bitte nehmen Sie Platz!

Wir wagen den Blick über den Schüsselrand. Auf modernen Designer-WCs sitzend blicken die Besucherinnen und Besucher auf die Toiletten der Welt. Privat oder öffentlich, auf dem Land oder in den Städten, in Deutschland, Europa oder an abgelegenen Orten in der Wüste, im Dschungel und im Gebirge – Toiletten sehen sehr unterschiedlich aus, und doch dienen alle demselben Zweck.

Der Gang zur Toilette ist intim und gleichzeitig alltäglich. Unser heutiger Standard eines separaten, belüfteten Raums für eine Toilette mit Wasserspülung ist noch nicht sehr alt. Viele Menschen erinnern sich noch an den Gang über den Hof, das Entleeren der Jauchegrube oder an das Zeitungspapier, das geschnitten als „Klopapier-Ersatz“ neben der Toilette lag.


Von wegen ‚stilles‘ Örtchen

Bis ins späte 19. Jahrhundert besaßen viele Menschen keine Toilette. Auf dem Land ging man in den Stall, an den Misthaufen oder ‚in die Büsche‘, um seine Notdurft zu verrichten. In den Städten, in Klöstern oder Burgen gab es oftmals Abtritte in Erkern der Außenmauern. Im Laufe des 19. Jahrhunderts verbreiteten sich Abortanlagen auch auf kleineren Bauernhöfen oder in Handwerkerhäusern. Ihre abseitige Lage führte übrigens zur Bezeichnung „Abort“. Um nachts den Weg zum Abort zu vermeiden, gehörten zur Einrichtung der Schlafkammern bereits im Mittelalter Nachttöpfe, manchmal verborgen in einem Stuhl oder einer Kommode.

Im frühen 20. Jahrhundert kannte man bereits Wasserklosetts; sie wurden unter anderem in Katalogen für Sanitärwaren angeboten. Doch häufig waren die Voraussetzungen dafür noch nicht geschaffen: Der Anschluss an fließendes Frischwasser und an die Abwasser-Kanalisation erfolgte in vielen Kleinstädten und auf den Dörfern erst nach dem Zweiten Weltkrieg. Toiletten ohne Wasserspülung – im Volksmund auch „Plumpsklo“ genannt – waren also noch bis über die Mitte des 20. Jahrhunderts hinaus in vielen ländlichen und kleinstädtischen Gegenden üblich. Oft modernisierte man ältere Aborte, indem man anstelle der hölzernen Kästen Klosettschüsseln mit Toilettensitz, aber ohne Spülung einbaute. Badezimmer und WC – die Kurzbezeichnung ist abgeleitet vom englischen „water-closet“ – fanden erst in den 1960er/70er Jahren flächendeckend ihren Weg auch in alle Haushalte.


Für’n Arsch

Seit Papier industriell und damit preiswert hergestellt wird, ist es zu einem wichtigen Helfer bei der Körperpflege und im Haushalt geworden, weil man es nach einmaligem Gebrauch wegwerfen kann. 1857 kam in den USA das erste Toilettenpapier auf den Markt. Hierzulande begann seine Produktion um 1880, von Anfang an entweder in Rollen mit Perforation zum Abreißen oder als Einzelblätter. Das Adressbuch der Papier-Industrie nennt 1929 bereits 18 Hersteller für Klosettpapier in Deutschland. Hans Klenk, Firmengründer und Namensgeber der Hakle Produkte, brachte 1928 Klopapier von der Rolle mit fester Blattzahl – „garantiert 1000 Abrisse“ – auf den Markt. 1958 stellt die Firma erstmals das weichere Tissuepapier her. Bis dahin wurde Toilettenpapier aus dem harten und rauen Krepp produziert.

Die Produktion von Toiletten- und Hygienepapier wächst weiter. 2017 verbrauchte jeder Deutsche 15 Kilogramm Toilettenpapier im Jahr. Es ist bei weitem das wichtigste Hygienepapier-Produkt; Taschentücher, Servietten, Küchentücher, Papierhandtücher und weitere kleine Helfer für den Alltag kommen hinzu.


Vom Klopapier zum Abendkleid

Dass Toilettenpapier nicht unbedingt in der Kanalisation enden muss, sondern auch für ganz andere Zwecke eingesetzt werden kann, zeigen in der Ausstellung Kreationen von Abendkleidern, die Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Wildeshausen gefertigt haben.

 

Weitere Informationen zur Ausstellung



LVR-Industriemuseum
Papiermühle Alte Dombach
Alte Dombach
51465 Bergisch Gladbach


Laufzeit: 1. März 2020 bis 7. Februar 2021


Öffnungszeiten: dienstags bis freitags 10 – 17 Uhr, samstags und sonntags 11 – 18 Uhr, gesonderte Öffnungsregelungen an Feiertagen


Eintrittspreise: 3 €, ermäßigt 2,50 €, Kombikarte mit Papiermühle 6 €. Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre haben im LVR-Industriemuseum freien Eintritt.


Besucherinfos und Buchungen von Führungen bei kulturinfo rheinland unter
Tel.: 02234/9921-555 (Mo-Fr 8-18 Uhr, Sa, So und an Feiertagen 10-15 Uhr) oder per Mail an


Öffentliche Kurzführungen: Sonntag, 19.4.2020, 17.5.2020, 21.6.2020, 19.7.2020, 16.8.2020, 20.9.2020, 18.10.2020, 15.11.2020, 17.1.2021, jeweils 15 Uhr

Kuratorenführung: Mittwoch, 26.8.2020, und Donnerstag, 19.11.2020, jeweils 17 Uhr, zum weltweiten „Tag des Toilettenpapiers“ bzw. zum „Welttoilettentag“


Buchbares Angebot: Entdeckungstour für Schulen (3. bis 8. Klasse)


Pressefotos

Die Pressebilder dürfen nur im Rahmen der aktuellen Berichterstattung über die Ausstellung „Von der Rolle – KloPapierGeschichten“ des LVR-Industriemuseums Papiermühle Alte Dombach in Bergisch Gladbach genutzt werden. Eine gesonderte Verwendung der Fotos ist nicht erlaubt.


Schwarz/Weiß Foto zeigt ein gemauertes Plumpsklo mit zwei Holztüren die offen stehen

"Plumpsklo" mit Zeitungspapier in Overath, Foto um 1983.

© Stadtarchiv Bergisch Gladbach,

Foto: Albert Günther


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Foto zeigt eine Rolle Toilettepapier umwickelt in einem braunem Papier mit roter alter Schrift

Toilettenpapier „Laxin“ aus Krepppapier, um 1930. Passenderweise ist Laxin auch ein Abführmittel.

© Sammlung LVR-Industriemuseum,

Foto: Miriam Schmalen


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Foto zeigt einen gepolsterten braunen Stuhl mit offenem Sitz in dem sich das Plumpsklo befindet

Nachtstuhl in Form eines gepolsterten Sessels mit Lederimitat, um 1900. Original aus dem LWL-Freilichtmuseum Detmold.

© LWL-Freilichtmuseum Detmold,

Foto: Pölert


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Toilettenhäuschen für Bauarbeiter im Park der Villa Zanders in Bergisch Gladbach, um 1950.

© Stadtarchiv Bergisch Gladbach,

Foto: Albert Günther


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Braune Klosettschüssel vor einer Wand mit weißen Fliesen

Die Klosettschüssel aus braunem Steinzeug ohne Wasserspülung stammt aus den 1930er Jahren.

© LWL-Freilichtmuseum Detmold,

Foto: Pölert


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Historisches schwarz/weiß Foto mit Pferdefuhrwerk und Kanalarbeiter die die Straße fegen

Kanalreinigung mit Pferdefuhrwerk in Bergisch Gladbach, um 1950.

© Stadtarchiv Bergisch Gladbach,

Foto: Albert Günther


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Weiße Kachelwand auf der gelbe und schwarze Schriften/Grafittis stehen

Titelgestaltung der gleichnamigen Ausstellung im LVR-Industriemuseum.

© LVR-Industriemuseum

Foto: Annette Schrick


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Es liegt eine Packung Papiertaschentücher der marke Tempo auf einem Tisch

Papiertaschentücher um 1940, Sammlung des

LVR-Industriemuseums.

© LVR-ZMB, Düsseldorf,

Foto: Annette Hiller


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Weiße Kachelwand mit blau/gelber Schrift und Schaukasten mit verschieden Toilettenrollenhalterungen

Historische Halter für Toilettenpapierrollen oder -einzelblätter.

© LVR-Industriemuseum

Foto: Annette Schrick


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Pressekontakt

 

Silke Krebbing

Tel.: 0208 8579-155

Fax: 0208 8579-122

Hansastraße 18

46049 Oberhausen

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