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Pressemeldung

25. Juni 2020 | Euskirchen

Mini, sexy, provokant

LVR-Industriemuseum zeigt in Euskirchen den Wandel der Kleidung in den 60er und 70er Jahren

Euskirchen. Ende der 1960er Jahre erlebte die Bundesrepublik die größten gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Umwälzungen seit ihrer Gründung. Der Wandel vollzog sich in allen Lebensbereichen – besonders sichtbar auch in der Kleidung – und er kam nicht plötzlich, sondern hatte sich über Jahre angebahnt. 1968, das Jahr, in dem sich die Studentenunruhen zuspitzten, war in vielerlei Hinsicht der Höhepunkt dieser Entwicklung und wurde zum Symbol für diese Veränderungen. Die Ausstellung „Mode 68. Mini, sexy, provokant“ des LVR-Industriemuseums zeigt ab dem 28. Juni in der Tuchfabrik Müller in Euskirchen, wie sich die Kleidung in den 1960er und frühen 1970er Jahren wandelte.


Alles anders!
Keine Dekade zuvor bot dem Einzelnen so zahlreiche und differenzierte Möglichkeiten des Konsums, der persönlichen Entfaltung und Individualisierung, aber auch der politischen Teilhabe. Gesellschaftliche Normen wurden gelockert; eine individuelle, freiheitliche Lebensgestaltung und ein neues Lebensgefühl schien plötzlich möglich. Nicht alle waren begeistert vom Wertewandel der Gesellschaft. Es herrschte Spannung zwischen konservativen, eher beharrenden Kräften und solchen, die die Modernisierung der Gesellschaft vorantrieben. Was die einen schätzten, empfanden andere als Bedrohung. Das spiegelte sich auch in der Kleidung.


Weg mit Schlips und Kragen
Konträrer hätte die Mode kaum sein können: Statt damenhafter Eleganz und Haute Couture waren Minirock und Maxikleid, Hotpants und Schlaghose, Space-Look und Hippieoutfit, asymmetrischer Kurzhaarschnitt und wilde Mähne angesagt. Und nicht zu vergessen: Parka und Jeans. Damenhafter Schick war ebenso out wie Schlips und Kragen. Was war passiert? Auch im Bereich der Mode machte sich der neue Einfluss von Teenagern und Studenten bemerkbar. Diese neue junge und auch kaufkräftige Generation konnte und wollte sich mit dem Kleidungsverhalten und der Mode ihrer Eltern nicht mehr identifizieren.


Neue Vorbilder
Neues Leitbild wurde die Jugendlichkeit und das hat bis heute nicht seine Gültigkeit verloren. Vorbilder für Mode wurden nun auf der Straße gesucht, in den Jugendkulturen der Nachkriegsbabyboomer und der entstehenden anglo-amerikanischen Popkultur. Die neuen ‚It-Girls‘ waren Models wie Twiggy und Jean Shrimpton mit kindlich-mädchenhaftem Look. Auch die angesagten Pop-Stars prägten die Mode wie nie zuvor – allen voran die Beatles, die Rolling Stones und Jimi Hendrix. Auch von der modernen Kunst, der Pop-Art und Op-Art, ließ sich die Mode inspirieren. Seit dem ‚Summer of Love 1967‘ kam die Mode der Hippies hinzu. Sie brachten von ihren Reisen in ferne Länder auf der Suche nach Spiritualität und Abenteuer, vor allem Indien und Lateinamerika, bunt gemusterte Gewänder und Schmuck mit, die sie in kreativer Weise mit anderen Stilen mischten. In Solidarität mit unterdrückten Völkern trugen sie Kleidung der Indianer oder südamerikanischer Ureinwohner.


Gegen das Establishment
Kleidung war jetzt oft als politisches Statement gemeint. Der Che-Guevara-Stern am Barett verriet Zugehörigkeit zu den Linken. Hippiegewänder waren von der Friedensbewegung geprägt. Minirock, Hotpants und Bikini galten als Statement für sexuelle Befreiung – wobei man Befreiung nicht mit Emanzipation verwechseln sollte. Und die Polit- und Studentenszene der 68er? Rudi Dutschke? Welche Rolle spielte Mode bei ihnen? Den meisten war Kleidung zunächst offenbar egal. In Anzug und Hemd hielten sie ihre Reden in den Hörsälen, diskutierten und gingen zur Demo. Erst allmählich übernahmen sie die neue Kleidung der Jugendkulturen, tauschten Anzughosen gegen Jeans, das Hemd gegen Rolli. Nur die ‚Kommune 1‘ inszenierte den Protest ganz gezielt mit provozierenden Outfits.


Geschlechterrollen
Vielen war die neue Kleidung ein Dorn im Auge. Zu schlampig, zu unordentlich, zu politisch, zu freizügig, zu liberal. Jugendliche wurden als Gammler beschimpft; am Thema der langen Haare zerstritten sich viele Familien. Als Jungen mit langen Haaren plötzlich wie Mädchen aussahen, schienen sie die Geschlechterordnung und damit gleich die Gesellschaft zu bedrohen. Die Mädchen fanden diese Jungs aber attraktiv und vermuteten einen neuen Typ Mann hinter der neuen Fassade: zugewandt, rücksichtsvoll, eben kein Macho. Dass sie sich da geirrt hatten, merkten sie im Laufe der Studentenunruhen. Die Männer, die für eine bessere Welt kämpften, machten allein ihr Ding, ließen die Frauen Kaffee kochen und die Kinder versorgen. Kein Wunder, dass sich Widerstand regte und sich seit 1968 die Frauenbewegung formierte. Und mit ihr entstand wiederum ein neuer Kleidungsstil, der sich von dem kindlich-mädchenhaften und sexy Stil der 60er Jahre deutlich unterschied.


Die Ausstellung
Auf etwa 600 Quadratmetern warten in der Ausstellung „Mode 68. Mini, sexy, provokant“ mehr als 150 Originalkleidungsstücke und Accessoires aus der umfangreichen museumseigenen Textilsammlung auf die Besucherinnen und Besucher. Sie werden durch exklusive Leihgaben von Modesammlerinnen und Zeitzeugen ergänzt. Zusammen mit umfangreichem Bild- und Filmmaterial aus der Zeit lassen sie die bewegten Sechziger zwischen Protestbewegung, Swinging London und Flower-Power wieder lebendig werden.


Corona – besondere Besuchsbedingungen
Es gibt zur Verminderung der Ansteckungsgefahr zeitweise besondere Regelungen. Es werden pro Stunde nicht mehr als 25 Besucherinnen und Besucher in der Ausstellung eingelassen und es müssen die allgemeinen Abstandsregeln eingehalten werden. Beim Museumsbesuch besteht Maskenpflicht. Führungen sind im Moment noch nicht möglich. Es gelten zum Teil eingeschränkte Öffnungszeiten. Aktuelle Informationen unter www.industriemuseum.lvr.de.


Wiedereröffnung Tuchfabrik Müller
Mit der Eröffnung der Sonderausstellung freut sich das Museum, auch die Tuchfabrik Müller ab dem 28. Juni für Besucher*innen wieder zugänglich machen zu können. Zunächst ist die Möglichkeit des Besuchs auf die regelmäßig stattfindenden öffentlichen Führungen beschränkt. Diese finden von Dienstag bis Samstag um 11.00, 14.00 und 15.30 Uhr statt, am Sonntag von 11 bis 16 Uhr jede volle Stunde. Die Teilnehmerzahl ist auf 9 Personen begrenzt. Voraussichtlich ab Anfang Juli wird es die Möglichkeit zum Erwerb von Online-Tickets geben. Auf diesem Weg können sich interessierte Gäste schon im Vorfeld ein Ticket für das gewünschte Zeitfenster sichern. Weitere Infos demnächst auf www.industriemuseum.lvr.de.

 

Zur Ausstellung ist ein Katalog zum Preis von 10 € erhältlich.

 

Weitere Informationen auf www.mode68.lvr.de

 

LVR-Industriemuseum
Tuchfabrik Müller
Carl-Koenen-Straße
53881 Euskirchen

 

Laufzeit: 28. Juni 2020 bis 15. August 2021


Vorläufige Öffnungszeiten aufgrund von Corona: dienstags bis sonntags 11 – 17 Uhr

Reguläre Öffnungszeiten: dienstags bis freitags 10 – 17 Uhr, samstags und sonntags 11 – 18 Uhr, Betriebsferien in den Weihnachtsferien NRWs.


Vorläufige Eintrittspreise aufgrund von Corona: am 28. Juni freier Eintritt, ab 30. Juni bis auf Weiteres 3 €

Reguläre Eintrittspreise: 5 €, erm. 4 €, Kombiticket mit Dauerausstellung 9,50 €

Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre haben im LVR-Industriemuseum freien Eintritt.


Besucherinfos bei kulturinfo rheinland unter Tel.: 02234/9921-555 (Mo-Fr 8-18 Uhr, Sa, So und an Feiertagen 10-15 Uhr) oder per Mail an


Pressefotos


Die Pressebilder dürfen nur im Rahmen der aktuellen Berichterstattung über die Ausstellung „Mode 68. Mini, sexy, provokant" des LVR-Industriemuseums Tuchfabrik Müller genutzt werden. Eine gesonderte Verwendung der Fotos ist nicht erlaubt.


Foto zeigt zwei bunte Bluse auf Büsten als Detailaufnahme

Auch die Alltagskleidung wurde bunt und knallig.

Foto: Jürgen Hoffmann,

© LVR-Industriemuseum


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Foto zeigt einen Herrenschuh mit Plateau-Sohle

Nicht nur die Frisuren der Herren wurden weiblicher: Plateau-Schuh für Männer aus den frühen 70er Jahren.

Foto: Jürgen Hoffmann

© LVR-Industriemuseum


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Foto zeigt einen roten modernen Sessel und ein rot-weißes Kleid auf einer Büste

Neue Formen und Farben. Blick in die Ausstellungseinheiten „Op Art“ und „Space Look“.

Foto: Jürgen Hoffmann

© LVR-Industriemuseum


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Orange-bunte Kleidung auf Büsten im Ausstellungsraum

Mixtur aus Paisley-Muster, Flower-Power und psychedelischer Kunst. Blick in die Ausstellungseinheit „Swinging London“.

Foto: Jürgen Hoffmann

© LVR-Industriemuseum


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Dunkelblaues Bikinioberteil auf einer weißen Büste und im Hintergrund ein Foto von Ursula Andress

In den 1960er Jahren wurde der Bikini zum Inbegriff der selbstbewussten und erotisch unabhängigen modernen Frau. Der Bikini von Ursula Andress aus dem legendären Auftritt im ersten James-Bond-Film 1962 wurde zum meistkopierten Klassiker der Bademoden.

Foto: Jürgen Hoffmann

© LVR-Industriemuseum


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Foto zeigt eine grüne Jacke mit einer Zeitung in der Brusttasche

Die Protestgeneration versuchte sich in den 70er Jahren mit ungewöhnlichen Kleidungsstücken von den Konventionen abzusetzen: Angesagt waren Latzhose, Palästinenser-Tuch oder Parka.

Foto: Detlef Stender

© LVR-Industriemuseum


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Foto zeigt eine Frau im weißen Kleid und ein Mann in weißer Hose und oragenem Hemd als Paar

Hippiehochzeit, 1973

© LVR-Industriemuseum


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Schwarz-weiß Foto zeigt eine Frau, einen Mann und ein Kind beim Spazieren gehen

Elegant beim Familienausflug, 1961

© LVR-Industriemuseum


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Zwei Männer in Badehose stehen am Sandstrand vor dem Meer

Hippies im Urlaub, 1973

© LVR-Industriemuseum


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Schwarz-weiß Foto zeigt eine Abschlußklasse einer Gesamtschule

Abschlussfoto Hauptschule, 1972

© LVR-Industriemuseum


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Pressekontakt:

Silke Krebbing, Tel.: 0208 8579-155

E-Mail: , www.industriemuseum.lvr.de

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