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Grafik Industrieanlage

Einteiliger Strandanzug

1930 – 1935

Blau-roter Strandanzug

Einteiliger Strandanzug, 1930 - 1935, Viskose, Baumwolle, 132 x 60 cm, Inv.-Nr.: ra 01/623 623 © LVR-Industriemuseum, Foto: Jürgen Hoffmann

Der Strandanzug besteht aus einer weiten, hellblauen Hose und einem buntgestreiften, angesetzten Oberteil und zwei hinten angenähten, vorne angeknöpften Trägern. Die Schneiderin, die diesen Strandanzug für sich hergestellt hat, hat sich beim Oberteil an dem in den 1930er Jahren beliebten Schrägschnitt orientiert: Die Streifen laufen diagonal auf die mittlere Naht zu. Zusammen mit dem Marlene-Dietrich-Stil der Hose ein sehr modisches Kleidungsstück dieser Zeit.


Frau in Hose? War das vor dem Zweiten Weltkrieg in den 1930er Jahren möglich, ohne unangenehm aufzufallen? Noch war die männlich konnotierte Hose für Frauen ein umstrittenes Kleidungsstück. Aber zu bestimmten Gelegenheiten, insbesondere in der Freizeit und beim Sport, trugen Frauen zunehmend Hosen. Sie fühlten sich damit schick und insbesondere modern angezogen. Einige Frauen, die die damalige Zeit noch miterlebt hatten, berichteten, dass sie in Hose angefeindet wurden.


Auch die Nationalsozialisten hatten ein zwiespältiges Verhältnis zur Frauenhose. Darin spiegeln sich ihre unterschiedlichen Vorstellungen von der Frau: auf der einen Seite das ideologisch geprägte, konservative Idealbild der Frau als Mutter; auf der anderen Seite das Bild einer sportlich aktiven, jungen Frau mit Sinn für moderne Kleidung. Vor allem im Zusammenhang mit der Olympiade 1936 rückte sportliche Kleidung auch für Frauen in den Vordergrund. Gleichzeitig sorgten die Nationalsozialisten dafür, dass die Frauenhose bald zur zwingenden Notwendigkeit wurde, und unterließen weitere Hetzkampagnen: Während des Krieges erwies sich die Hose für die Arbeiterinnen in Industrie und Landwirtschaft als praktisches Kleidungsstück und auch die Frauen im Luftschutz mochten nicht darauf verzichten.


Die Besitzerin dieses Strandanzugs lehnte Hosen im Alltag ab, das hätte sich nicht geschickt. Nur wenn sie ein mal im Jahr mit ihrer Familie in die Berge oder an die See fuhr, trug sie Hosen. Außer der hier gezeigten besaß sie noch eine zweite Hose in Dunkelblau mit hellblauer Jacke – ein Strandensemble.


Weitere Informationen zum Ausstellungsprojekt „Glanz und Grauen - Mode im Dritten Reich“


Christiena Syré


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