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Grafik Tuchfabrik Müller Euskirchen

Von der Wolle

Eine Geschichte von Tieren, Maschinen und Menschen von 1800 bis heute

Ab 10. Mai 2026

Historische, braun getönte Zeichnung vin einem Schafbock, der auch Negretti-Bock genannt wird. Der Bock wird von der Seite gezeigt. Sein Körper ist vollständig von dichter Wolle bedeckt. Er hat eng anliegende, große und spiralig gewundene Hörner. Unter der Abbildung steht der Titel "Original Negretti schaf" und eine weitere Zeile mit Angaben zu Herde und Besitzer: "Bock No. 17 aus der Herde des Herrn Amtsrat Maass-Kentzlin."

Im Mittelpunkt der Sonderausstellung in der Tuchfabrik Müller in Euskirchen steht die Wolle – deren Verarbeitung, aber auch das Zusammenspiel von Tier, Maschine und Mensch in den letzten 200 Jahren.

Kolorierte Modeillustration aus dem Jahr 1824 mit der Überschrift „Costume Parisien“. Dargestellt ist eine Frau, die ein langes, dunkles Kleid mit schmaler Taille und mehreren gestuften Volants am Rocksaum trägt. Die Ärmel sind gepufft, am Hals liegt ein heller, fein gerüschter Kragen. Die Frau trägt einen hellen Hut, geschmückt mit rosafarbenen Bändern und kleinen Blumen. Unter dem Kinn sind die Bänder zu einer Schleife gebunden. Über dem linken Arm liegt ein roter Schal, der am Ende ein Blumenmuster hat. Die Frau trägt helle Handschuhe und schwarze, spitz zulaufende Schuhe..

Bereits um 1800 stieg europaweit die Nachfrage nach besonders feiner Wolle. Neu entwickelte Textilmaschinen stellten zunehmend präzise Anforderungen an das Material Wolle – etwa an Faserlänge und Kräuselung. In der Folge wurden Schafrassen gezielt gezüchtet, um den industriellen Bedürfnissen zu entsprechen.

Im 20. Jahrhundert geriet Wolle durch Ersatzstoffe wie Kunst- oder Reißwolle zunehmend unter Druck. Diesen Trend verstärkten ab 1933 Rohstoffknappheit und die nationalsozialistischen Autarkiepläne. Schlechte Trageeigenschaften führten bei den Konsumentinnen und Konsumenten zu einem Vertrauensverlust, während vermeintlich pflegeleichte synthetische Fasern den Markt eroberten. Erst mit der Umweltbewegung der 1970er Jahre begann sich das Image von Wolle wieder zu verbessern.

Heute wird das Naturmaterial Wolle wieder neu entdeckt. Unternehmen und Initiativen erforschen vielfältige Einsatzmöglichkeiten, auch jenseits von Mode und Bekleidung. Aspekte wie Tragekomfort, Langlebigkeit und biologische Abbaubarkeit stehen Erfahrungen von kratziger Kleidung, Verfilzung und Mottenbefall gegenüber. Auch Fragen nach Tierwohl und CO₂-Bilanz werden lauter.

Während der globale Wollmarkt von großen Produzenten mit riesigen homogenen Herden und zum Teil umstrittenen Haltungsmethoden in Australien und Neuseeland geprägt ist, setzen regionale Initiativen verstärkt auf nachhaltige Schafhaltung und neue Nutzungskonzepte.

Große historische Textilmaschine aus Metall und Holz, ein sogenannter Krempel. Die Maschine steht frei im Raum eines Museums. Mehrere übereinander angeordnete Walzen sind oben auf der Maschine. Vorne befindet sich ein großes, rundes Schwungrad mit Löchern, das über Lederriemen und Zahnräder mit den Walzen verbunden ist. Unten trägt ein stabiles schwarzes Metallgestell die Konstruktion. Links ist eine flache Zuführfläche mit einem hölzernen Rahmen zu sehen, über die vermutlich Rohfasern in die Maschine eingezogen wurden.

Die Ausstellung lädt auf rund 550 Quadratmetern zu einer Entdeckungsreise durch die überraschende Vielfalt der Wollnutzung ein. Die 200 Ausstellungsstücke stammen überwiegend aus der museumseigenen Sammlung. Restauratorinnen des LVR-Industriemuseums und Studierende der TH Köln haben sie untersucht – mit teils unerwarteten Ergebnissen.

Die Objekte geben Einblicke in die unterschiedlichen Facetten der Wolle: Ein Vorspinnkrempel eines Aachener Tuchfabrikanten aus dem Jahr 1860 steht für die komplexen Verarbeitungsschritte des Rohstoffes. Ein Reisekleid von 1880 bestach durch besten Wetterschutz – und zeigt, dass Wolle durch die richtige Bearbeitung funktionale Eigenschaften erhält. Das spiegelt sich auch bei technischen Anwendungen wie Tennisbällen oder Klaviertasten wider. Schafmodelle zeigen die Vielfalt von zum Teil ausgestorbenen Schafrassen. Historische Abbildungen und Medienstationen ergänzen die Präsentation.

Wer selbst genauer hinschauen möchte, kann an einem Mikroskop die eigene Kleidung ganz wortwörtlich unter die Lupe nehmen.

Bild von drei verschiedenen Wollarten.

Begleitend zur Ausstellung erscheint ein umfangreicher Katalog, der das Verhältnis von Tierzucht, Technikgeschichte und Mode aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet.


Öffentliche Führungen

an jedem zweiten Sonntag im Monat um 14.30 Uhr

So, 14.6. | 12.7. | 9.8. | 13.9. | 11.10. | 8.11. | 13.12.2026

Kosten: 3 € zzgl. Eintritt, Kinder und Jugendliche frei



Öffentliche Kuratorinnenführungen

donnerstags um 17 Uhr an folgenden Terminen:

Do, 23.7. | 27.8. | 22.10.2026

Kosten: 3 € zzgl. Eintritt, Kinder und Jugendliche frei


Laufzeit:
ab 10.05.2026

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Freitag 10–17 Uhr, Samstag und Sonntag 11–18 Uhr

Eintritt:
Kombiticket Dauer- und Sonderausstellung: 11 €

Ermäßigtes Kombiticket: 4 € (Studierende, Auszubildende, Bundesfreiwilligendienstleistende, Menschen mit Schwerbehinderung, Leistungsempfänger*innen SGB II und SGB XII)

Kombiticket für Gruppen ab 10 Personen: 9 € pro Person

Kinder und Jugendliche haben im LVR-Industriemuseum freien Eintritt.

Weitere Infos:
kulturinfo rheinland
Tel.: 02234/9921-555 (Mo – Fr 8 – 18 Uhr; Sa, So und an Feiertagen 10 – 15 Uhr)
E-Mail:

Öffnungszeiten an Feiertagen können Sie bei unseren Besucher*innen-Infos einsehen.


Eintritt

Museumseintritt: 8 €
Kinder und Jugendliche haben freien Eintritt.
Freier Freitag: An jedem ersten Freitag im Monat ist der Eintritt auch für Erwachsene frei.

Ausstellungsort:
LVR-Industriemuseum
Tuchfabrik Müller
Carl-Koenen-Straße 25
53881 Euskirchen


Kontakt

kulturinfo rheinland

Tel. 02234 99 21 555 (Mo – Fr 8 – 18 Uhr; Sa, So und an Feiertagen 10 – 15 Uhr)