Im Mittelpunkt der Sonderausstellung in der Tuchfabrik Müller in Euskirchen steht die Wolle – deren Verarbeitung, aber auch das Zusammenspiel von Tier, Maschine und Mensch in den letzten 200 Jahren.
Bereits um 1800 stieg europaweit die Nachfrage nach besonders feiner Wolle. Neu entwickelte Textilmaschinen stellten zunehmend präzise Anforderungen an das Material Wolle – etwa an Faserlänge und Kräuselung. In der Folge wurden Schafrassen gezielt gezüchtet, um den industriellen Bedürfnissen zu entsprechen.
Im 20. Jahrhundert geriet Wolle durch Ersatzstoffe wie Kunst- oder Reißwolle zunehmend unter Druck. Diesen Trend verstärkten ab 1933 Rohstoffknappheit und die nationalsozialistischen Autarkiepläne. Schlechte Trageeigenschaften führten bei den Konsumentinnen und Konsumenten zu einem Vertrauensverlust, während vermeintlich pflegeleichte synthetische Fasern den Markt eroberten. Erst mit der Umweltbewegung der 1970er Jahre begann sich das Image von Wolle wieder zu verbessern.
Heute wird das Naturmaterial Wolle wieder neu entdeckt. Unternehmen und Initiativen erforschen vielfältige Einsatzmöglichkeiten, auch jenseits von Mode und Bekleidung. Aspekte wie Tragekomfort, Langlebigkeit und biologische Abbaubarkeit stehen Erfahrungen von kratziger Kleidung, Verfilzung und Mottenbefall gegenüber. Auch Fragen nach Tierwohl und CO₂-Bilanz werden lauter.
Während der globale Wollmarkt von großen Produzenten mit riesigen homogenen Herden und zum Teil umstrittenen Haltungsmethoden in Australien und Neuseeland geprägt ist, setzen regionale Initiativen verstärkt auf nachhaltige Schafhaltung und neue Nutzungskonzepte.
Die Ausstellung lädt auf rund 550 Quadratmetern zu einer Entdeckungsreise durch die überraschende Vielfalt der Wollnutzung ein. Die 200 Ausstellungsstücke stammen überwiegend aus der museumseigenen Sammlung. Restauratorinnen des LVR-Industriemuseums und Studierende der TH Köln haben sie untersucht – mit teils unerwarteten Ergebnissen.
Die Objekte geben Einblicke in die unterschiedlichen Facetten der Wolle: Ein Vorspinnkrempel eines Aachener Tuchfabrikanten aus dem Jahr 1860 steht für die komplexen Verarbeitungsschritte des Rohstoffes. Ein Reisekleid von 1880 bestach durch besten Wetterschutz – und zeigt, dass Wolle durch die richtige Bearbeitung funktionale Eigenschaften erhält. Das spiegelt sich auch bei technischen Anwendungen wie Tennisbällen oder Klaviertasten wider. Schafmodelle zeigen die Vielfalt von zum Teil ausgestorbenen Schafrassen. Historische Abbildungen und Medienstationen ergänzen die Präsentation.
Wer selbst genauer hinschauen möchte, kann an einem Mikroskop die eigene Kleidung ganz wortwörtlich unter die Lupe nehmen.
Begleitend zur Ausstellung erscheint ein umfangreicher Katalog, der das Verhältnis von Tierzucht, Technikgeschichte und Mode aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet.
an jedem zweiten Sonntag im Monat um 14.30 Uhr
So, 14.6. | 12.7. | 9.8. | 13.9. | 11.10. | 8.11. | 13.12.2026
Kosten: 3 € zzgl. Eintritt, Kinder und Jugendliche frei
donnerstags um 17 Uhr an folgenden Terminen:
Do, 23.7. | 27.8. | 22.10.2026
Kosten: 3 € zzgl. Eintritt, Kinder und Jugendliche frei
Laufzeit:
ab 10.05.2026
Öffnungszeiten:
Dienstag bis Freitag 10–17 Uhr, Samstag und Sonntag 11–18 Uhr
Eintritt:
Kombiticket Dauer- und Sonderausstellung: 11 €
Ermäßigtes Kombiticket: 4 € (Studierende, Auszubildende, Bundesfreiwilligendienstleistende, Menschen mit Schwerbehinderung, Leistungsempfänger*innen SGB II und SGB XII)
Kombiticket für Gruppen ab 10 Personen: 9 € pro Person
Kinder und Jugendliche haben im LVR-Industriemuseum freien Eintritt.
Weitere Infos:
kulturinfo rheinland
Tel.: 02234/9921-555 (Mo – Fr 8 – 18 Uhr; Sa, So und an Feiertagen 10 – 15 Uhr)
E-Mail: info@kulturinfo-rheinland.de
Öffnungszeiten an Feiertagen können Sie bei unseren Besucher*innen-Infos einsehen.
Museumseintritt: 8 €
Kinder und Jugendliche haben freien Eintritt.
Freier Freitag: An jedem ersten Freitag im Monat ist der Eintritt auch für Erwachsene frei.
Ausstellungsort:
LVR-Industriemuseum
Tuchfabrik Müller
Carl-Koenen-Straße 25
53881 Euskirchen
kulturinfo rheinland
info@kulturinfo-rheinland.de
Tel. 02234 99 21 555 (Mo – Fr 8 – 18 Uhr; Sa, So und an Feiertagen 10 – 15 Uhr)