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Grafik Industrieanlage

Architekturmodell „Krematorium Hagen-Delstern“

Von 2015

Modell eines komplexen gebäudes aus Holz

Architekturmodell „Krematorium Hagen-Delstern“, Entwurf: Peter Behrens, 1905-08, Ausführung: Benjamin Kratz, Leonie Happe, Christian Hörmann, Peter Behrens School of Arts Düsseldorf, Werkstatt Modellbau und Prototypen, 2015, Holz, Maßstab 1:100, 26 x 76 x 60 cm, Inv. Nr.: rz 17/9005

Wegen des rapiden Bevölkerungswachstums in den Industriestädten wurden im Laufe des 19. Jahrhunderts neue Friedhöfe an den Stadträndern angelegt. Vielerorts sollte aus hygienischen Gründen die Erd- von der Feuerbestattung abgelöst werden.


Der „Hagener Verein für Feuerbestattung“ beschloss 1905 den Bau eines Krematoriums am Hang eines außerhalb Hagens gelegenen Friedhofgeländes in Delstern. Es sollte das erste Krematorium in Preußen werden. Da Feuerbestattungen bislang nicht üblich gewesen waren, galt es für diese neue Bauaufgabe eine angemessene und würdige Form zu finden.


Nach einer Empfehlung durch den Mäzen Karl Ernst Osthaus wurde Peter Behrens, seit 1903 Direktor der Düsseldorfer Kunstgewerbeschule, mit der Planung des Bauwerks betraut. Mit seinem 1901 auf der Darmstädter Mathildenhöhe verwirklichten Wohnhaus hatte sich der ursprünglich als Kunstmaler ausgebildete Behrens auch einen Namen als moderner Architekt gemacht. Für das Krematorium entwarf Behrens ein Ensemble bestehend aus der Aussegnungshalle, dem Campanile – der den Schornstein ummantelt – und einem Kolumbarium für die Urnenbestattung. In seiner blockhaften Form und der geometrisch-abstrakten Fassadenornamentik erinnert das Ensemble an die Sakralbauten der Frührenaissance in Florenz. Die florentiner Kirchen wie San Miniato al Monte oder das Baptisterium hatte Behrens während einer Italienreise 1904, also ein Jahr zuvor, kennengelernt.


Das hier im Modell gezeigte Kolumbarium war aus Kostengründen nicht verwirklicht worden. Die ursprüngliche Fassadenverkleidung aus schwarz und weiß gemusterten Marmorplatten lösten sich kurz nach der Fertigstellung des Gebäudes im Jahre 1908 aufgrund von Witterungsschäden von der Fassade und mussten abgenommen werden. Behrens ließ die Fassaden daraufhin schlicht weiß verputzen.


Das Krematorium ist nach dem Vorsitzenden des „Hagener Vereins für Feuerbestattung“ Eduard Müller benannt. Gesetzlich erlaubt wurde die Feuerbestattung in Preußen erst 1911, also drei Jahre nach der Fertigstellung des Bauwerks. Für ein Eintrittsgeld von 50 Reichspfennigen konnten in der Zwischenzeit Touristen das Krematorium besichtigen, das Karl Ernst Osthaus als ein „künstlerisch erhebliches Gesamtkunstwerk“ und als „eines der wichtigsten Monumente unserer Zeit“ würdigte.


Das denkmalgeschützte Gebäude wird auch heute noch als Krematorium genutzt.


Weitere Informationen zum Projekt Peter Behrens – Kunst und Technik


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