Elektrische Tee- und Wasserkessel, Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft (AEG), 1907-1909 (Entwurf), 1909-1911 und 1914-1925 (Herstellung), Entwurf: Peter Behrens, Kupfer und Messing, vernickelt, Holz, Rohrgeflecht, 22 x 21,5 x 16 cm und 21 x 20,5 x 16 cm, Inv.-Nr.: rz 97/78 und rz 97/77 © LVR-Industriemuseum, Foto: Jürgen Hoffmann
Es gibt viele Möglichkeiten Wasser zu erhitzen. Ob im Wasserkessel auf dem Herd oder mit dem Elektroboiler hängt von der Ausstattung des Haushaltes, den Gewohnheiten und Traditionen ab. Wer schnell und kostengünstig Tee- oder Kaffeewasser kochen möchte, benutzt einen elektrischen Wasserkocher.
Ein frühes Markenprodukt, das technisch dem heutigen Wasserkocher ähnelt, ist der elektrische Tee- und Wasserkessel der Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft (AEG) Berlin nach Entwürfen von Peter Behrens. Peter Behrens war von 1907 bis 1914 künstlerischer Beirat des Unternehmens und unterhielt in Potsdam-Babelsberg ein eigenes Büro mit bis zu zwanzig Mitarbeitern, die ihn in seiner Tätigkeit unterstützten.
Die Kessel wurden in verschiedenen Varianten in Serie hergestellt. Die Grundform war entweder rund, achteckig oder oval. Die Modelle wurden in Kupfer, Messing oder in Messing, vernickelt, später auch Messing, verkupfert mit einer flockig gehämmerten, streifenartig gehämmerten oder glatten Oberfläche angeboten.
Das Wasser wurde elektrisch mittels einer Heizpatrone erhitzt. Die Heizpatrone wurde in ein Messingrohr im Inneren des Kessels eingeschoben und über den Stecker mit dem Stromkabel verbunden. War die Heizpatrone defekt, konnte diese durch eine Neue ausgetauscht werden. Ersatzpatronen gab es für eine elektrische Leistung von 275 Watt für einen 0,75 Liter-Kessel und für eine elektrische Leistung von 440 Watt für Kessel mit einem Fassungsvermögen von 1,25 Liter und 1,75 Liter.
Aus den Preislisten von 1909 geht hervor, dass innerhalb der AEG die Abteilung „Heizapparate“ für elektrische Geräte zuständig war. Diese arbeitete mit Zulieferern zusammen, wie zum Beispiel mit der Metallwarenfabrik Gebr. Holzschuher in Schleiz. Die Montage erfolgte bei der AEG in Berlin. Die Rohstoffe für die Kessel kamen um 1910 überwiegend aus Übersee. Der steigende Bedarf an Metallen für die boomenden Industrieunternehmen konnte aus den europäischen Vorkommen nicht gedeckt werden. Kupfererze wurden zum Beispiel in Chile abgebaut. Nickel stammt aus nickel- und kupferhaltigen Eisenerzen, die nur geringfügig in Europa vorkamen. Rattan für die Isolierung der Griffe wurde unter anderem aus Südostasien importiert. Zink hingegen, das mit Kupfer die Basis für Messing bildet, kam in Deutschland und anderen europäischen Ländern häufiger vor.
1909 kostete ein AEG-Tee- und Wasserkessel 22 Mark. Das monatliche Durchschnittseinkommen lag bei etwa 87 Mark. Der AEG-Tee- und Wasserkessel blieb trotz Rationalisierung der Herstellungsprozesse ein Luxusprodukt. Darüber hinaus hatten vor dem Ersten Weltkrieg nur wenige Haushalte Stromanschlüsse. Elektrische Hausgeräte und -apparate wurden daher häufig über Ratenzahlung angeschafft.
Peter Behrens erschuf mit seinem Entwurf eine Designikone. Auch nach seinem Ausscheiden aus der AEG 1914 produzierte das Unternehmen die Kessel weiter. Die Herstellung übernahm Mitte der 1920er Jahre die Elektrobeheizung G.m.b.H. in Nürnberg (Bing-Werke Konzern) und später die Metallwarenfabrik Clemens Humann, Leipzig (Marke Cehal). In Spanien wurden die elektrischen Tee- und Wasserkessel mit modernen Stromanschlüssen bis in die 1970er Jahre verkauft.
Regina Weber
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