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Grafik Industrieanlage

Satiniermaschine

Von ca. 1993

Selbst gebaute Maschine aus Stahl mit Kabeln und Schleifblatt

Satiniermaschine, Eigenbau des Schleifers Albert Jandt, Solingen, um 1993, Stahl, 155 x 163 x 110 cm, ca. 500 kg, Inv. Nr. sg 98/49

Die traditionelle Arbeitstechnik der Solinger Schleifer blieb über Jahrhunderte unverändert. Seit den 1920er Jahren wurden Schleifmaschinen und nach dem Zweiten Weltkrieg Schleifautomaten entwickelt und in Fabriken aufgestellt.


Die so genannten Lohnschleifereien, die neben den Fabriken entstanden und ebenfalls mit Maschinen ausgestattet waren, wurden meist von ehemaligen Heimarbeitern betrieben. Dem Scherenschleifer Albert Jandt fehlte das Kapital für einen solchen Schritt. Doch auch er empfand die Notwendigkeit, seine Arbeitsmethoden weiterzuentwickeln.


Albert Jandt, in Berlin geboren und in den 1950er Jahren nach Solingen zugewandert, arbeitete nach verschiedenen Hilfsarbeiten schließlich als Scherenschleifer. Seine Spezialität war das Satinieren von Haut- und Nagelscheren. Beim Satinieren handelt es sich um eine Oberflächenbearbeitung, um den Scheren an Halm und Griff eine grobe Struktur zu verleihen. Um konkurrenzfähig zu bleiben, konstruierte er eigenhändig eine vollautomatische Maschine, die es ihm ermöglichte, einige Aufträge kostengünstiger zu produzieren.


In der Dampfschleiferei „Loosen Maschinn“ saß Albert Jandt vor seinem Bock und sinnierte bei seiner monotonen Arbeit über Methoden, sich diese zu erleichtern. Dabei entstand in seinem Kopf das Konzept einer vollautomatischen Satiniermaschine. Als technischer Laie und ohne Kapital machte er sich an die Arbeit. Er besorgte Metallteile im Schrott und Hydraulikzylinder auf dem Flohmarkt. Bei Bekannten suchte er nach weiteren Einzelteilen. Die wichtigsten Grundelemente auf dem selbst angefertigten Maschinentisch fand er in seiner eigenen Werkstatt: den Elektromotor für den Antrieb sowie einen Schleifbock, den er als Welle für die Satinierscheibe nutzte. Für die Zuführung konstruierte er einen pneumatisch gesteuerten Vorschub, den er mit diversen Verstellmechanismen mit Hilfe von Schraubzwingen ausstattete. Für eine am Arbeitstisch erforderliche Ausbuchtung musste er mangels Schneidbrenner eine ganze Nacht lang Löcher bohren. Anschließend beseitigte er die Stege mit einer Feile. Minderwertiges Material besserte er auf seine Weise auf: Auf den zu weichen Führungsschienen befestigte er mit Nieten gehärteten Küchenmesserstahl, beim Vorschub kam der Stahl seiner Maurerkelle als Schieber zur Verwendung. Den Magazinkasten für die Zuführung der Rohlinge fertigte er aus Regalstangen aus dem Kinderzimmer seines Sohnes. Inzwischen gibt es übrigens vergleichbare Maschinen aus dem professionellen Maschinenbau. Sie kosten bis zu 100.000 €.


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