Logo LVR - Qualität für Menschen
Blick in die Textilsammlung im Museumsdepot mit zahlreichen Kleidungsstücken in Regalen

Cul de Paris

um 1880

Hinteransicht einer Anziehpuppe die einen Cul de Paris trägt.

Cul de Paris, um 1880, Baumwolle, Metall, 8 x 31 x 25 cm, Inv. Nr.: ra 98/84

Der Cul de Paris verhalf jeder Dame zu einer bemerkenswerten Hinteransicht.


„Keinen oder einen schlechten Hintern zu haben, ist ein ästhetisches Unglück“ merkte der Philosoph und Literaturwissenschaftler Friedrich Theodor Vischer 1878 an – und drückte damit die Schönheitsvorstellung jener Zeit aus.


Im 19. Jahrhundert waren zunächst stoffreiche und weit abstehende Röcke in Mode gewesen. Zahlreiche gestärkte Unterröcke sorgten für das nötige Volumen. Später wurden die vielen Unterröcke durch glockenförmige Reifrockgestelle ersetzt – die Krinoline. Auf solchen Stützkonstruktionen konnten modebewusste Damen Röcke mit einem Saum von zu 6 Metern tragen. Der ungeheure Aufwand, der für diese üppige Mode getrieben werden musste, zog jedoch auch Kritik auf sich. Es folgte um 1870 die Tournüre, die den Damen vorne und seitlich eine etwas schmalere, aber ebenfalls sehr künstliche Silhouette gab.


In den 1880er Jahren kam der „Cul des Paris“ in Mode (auf Deutsch „Pariser Hintern“ oder „Pariser Poppöchen“) – ein Polster, das die Frauen auf dem Gesäß trugen, um dieses besonders zu akzentuieren. Häufig wurde dieses Körperteil ergänzend noch durch Schleifen oder raffinierte Stoffraffungen in Szene gesetzt. Die formgebende Wirkung des Cul de Paris wird in unserem Falle durch ein zartes Drahtgeflecht erzielt, das ein stabiles und steifes Polster ergab.


Die aufwändigen Hilfskonstruktionen zur Formung der Idealsilhouette schränkten die Bewegungsfreiheit sehr ein. Eine Frau in Krinoline, Tournüre oder mit einem Cul de Paris war vor allem um eine reizende oder elegante Erscheinung bemüht. Zu rascher Bewegung und körperlicher Arbeit war sie in dieser steifen Ausstaffierung kaum in der Lage. All dies blieb den Herren in ihrer eher pragmatisch ausgerichteten Kleidung überlassen – oder dem Dienstpersonal.


Weitere Informationen zum Projekt "Dessous - 150 Jahre Kulturgeschichte der Unterwäsche"


Hat Ihnen das Objekt gefallen? Haben Sie weitere Informationen für uns oder eine Geschichte darüber zu erzählen?

Dann schreiben Sie an !