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Technikwelt im Kleinformat

Ausstellung im LVR-Industriemuseum Tuchfabrik Müller zeigt historische Metall-Baukästen

11. Mai 2018

Euskirchen. Wohl kaum ein anderes Spielgerät ist so mit dem Industriezeitalter verbunden wie der Metall-Baukasten. Aus einfachen Metallstreifen, Schrauben und Muttern konnten Kinder und Jugendliche eigene Konstruktionen entwickeln und Modelle nachbauen. Das LVR-Industriemuseum Tuchfabrik Müller in Euskirchen widmet sich seit dem 13. Mai 2018 in seiner Sonderausstellung „Die Welt im Kleinen – Baukästen aus der Sammlung Griebel“ der Geschichte des Baukastens im 20. Jahrhundert. Im Mittelpunkt stehen die Metall-Baukästen und Modelle namhafter Hersteller wie Märklin, Trix, Stabil oder Meccano.

 

Technische Ikonen

Den Auftakt zur Ausstellung bilden detailreiche Großmodelle. „Die Bauweise aus vielen industriell gefertigten Einzelteilen ist von den Eisenkonstruktionen der Jahrhundertwende inspiriert. Brücken, Türme, Flugzeuge, Automobile, Kräne der Zeit wurden im Kleinen nachgebaut“ erläutert Museumsleiter Detlef Stender. Ein beeindruckendes Beispiel hierfür ist der Eiffelturm, der Besucherinnen und Besuchern als zwei Meter hohes Modell entgegen leuchtet.

 

Sammel-Leidenschaft

Die faszinierenden technischen Objekte und die Baukästen aus der Zeit ab 1900 stammen zum größten Teil aus dem Bestand des Kölners Jürgen Griebel, den dieser in eifriger Sammeltätigkeit ab den 1960er Jahren zusammentrug. Er bekam seinen ersten Metallbaukasten mit sechs Jahren geschenkt und musste sich in der Nachkriegszeit schweren Herzens wieder von ihm trennen, als das Spielzeug gegen Lebensmittel eingetauscht wurde. „Herr Griebel erfüllte sich einen Kindheitstraum als er nach der Geburt seiner Söhne anfing auf Flohmärkten Metallbaukästen zu kaufen“ erklärt wissenschaftliche Volontärin Wiebke Hemme. Jörn Griebel, der Sohn des verstorbenen Sammlers, erinnert sich, dass die Modelleisenbahnen und Baukästen das Hoheitsgebiet seines Vaters waren: „Wir hatten genug Spielzeug, aber eben anderes Spielzeug“, so Griebel. Eine Rauminszenierung lässt die Besucherinnen und Besucher der Ausstellung in die häusliche Welt des Sammlers eintauchen und stellt die Entwicklung dieses bedeutenden Bestandes dar.

 

Schrauben, Muttern, Metallstreifen

Die Ausstellung richtet darüber hinaus den Blick auf die Geschichte und Kultur des Baukastens, seiner Hersteller und seines Vertriebes. Neben den klassischen Metallbaukästen werden auch Holz-, Stein- und Kunststoffbaukästen vorgestellt. Waren die frühen Holz- oder Steinbaukästen des 19. Jahrhunderts ohne feste Verbindungselemente, erfand Frank Hornby aus Liverpool 1901 das entscheidende Bauteil für die Welt im Kleinen aus Blech: genormte Metallstreifen mit Löchern in regelmäßigen Abständen. Mit Schrauben und Muttern, Rädern und Achsen ließen sich erstmals bewegliche Modelle wie Kräne, Maschinen oder Wagen bauen. Der Metallbaukasten konnte seinen Siegeszug in die Welt antreten. Zu den bekannten deutschen Herstellern gehören die Berliner Firma Walther mit ihren Stabil-Baukästen oder die in Göppingen ansässige Firma Märklin, die seit 1914 eigene Metallbaukästen produzierte. In einer interaktiven Lichtinstallation können die Gäste Informationen zu der Geschichte der wichtigsten Baukastenhersteller abrufen.

 

Jugendträume

Seit den 1920er Jahren wurden Baukästen für eine breitere Käuferschicht erschwinglich. Für viele Kinder und Jugendliche blieben sie jedoch weiterhin ein Wunschtraum. Zumindest von ferne konnten sie die Objekte der Begierde hinter Schaufensterglas bewundern, denn viele Geschäfte liehen von den Herstellern aufwändige Modelle und stellten sie zu Werbezwecken aus. In der Ausstellung erinnert ein Schaufenster mit Modellen an die Vertriebsformen. Vorgestellt werden zudem viele Modelle zu typischen Kinder-Traumwelten: Feuerwehrautos, Flugzeuge, LKW, Traktoren, Kräne, Lokomotiven, Bagger, Rennautos – und auch eine Nähmaschine. „Typische Jungenträume“ bemerkt Stender, denn Baukästen richteten sich fast ausschließlich an Jungen und sollten sie auf den Beruf vorbereiten, planvolles Handeln, technisches Verständnis und Geschicklichkeit lehren. Auch auf den Verpackungen waren Mädchen bis in die 1980er Jahre vor allem als beeindruckte Bewunderinnen abgebildet. Der Stabila Baukasten der Firma Walther war einer der wenigen, der sich direkt an Mädchen wandte. Hier überwogen Dinge des häuslichen Lebens, beispielsweise Kinderwagen und Schaukel, die mit Wolle umwickelt werden konnten.

 

Selber bauen!

Ein großer Mitmachbereich mit vielen verschiedenen Baumaterialien lädt Kinder, Jugendliche und Erwachsene zum Ausprobieren, Bauen und Spielen ein.

Die Ausstellung wird ergänzt durch ein Begleitprogramm mit Führungen und Kreativ-Workshops für Kinder.

Weitere Informationen zur Ausstellung

 

LVR-Industriemuseum
Tuchfabrik Müller
Carl-Koenen-Straße
53881 Euskirchen

 

Laufzeit: 13. Mai bis 2. Dezember 2018

Öffnungszeiten: dienstags bis freitags 10 – 17 Uhr, samstags und sonntags 11 – 18 Uhr

Eintrittspreise: 4 €, ermäßigt 3 €, Kombikarte mit Tuchfabrik 9 €. Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre haben im LVR-Industriemuseum freien Eintritt.

Besucherinfos und Buchungen von Führungen: bei kulturinfo rheinland unter
Tel.: 02234/9921-555 (Mo-Fr 8-18 Uhr, Sa, So und an Feiertagen 10-15 Uhr)
Mail:


Pressefotos

Die Pressebilder dürfen nur zu Pressezwecken im Rahmen der aktuellen Berichterstattung über die Ausstellung "Die Welt im Kleinen – Baukästen aus der Sammlung Griebel" des LVR-Industriemuseums Tuchfabrik Müller genutzt werden. Eine gesonderte Verwendung der Fotos ist nicht erlaubt.


Gelber Wagen mit einem Wohnmobil

Meccano-Wohnmobilgespann, gebaut um 1990

© Sammlung Griebel, Foto: Jürgen Hoffmann


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Foto zeigt ein kleines Doppeldecker Flugzeug

Flugzeug Doppeldecker, Meccano, 1938

© Sammlung Griebel, Foto: Jürgen Hoffmann


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Foto zeigt eine Baukasten-Verpackung auf einem Tisch

Auto Baukasten, Märklin, 1930er Jahre

© Sammlung Griebel, Foto: Jürgen Hoffmann


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Motorrad mit Beiwagen aus Metall

Motorrad mit Beiwagen aus Mekanik-Teilen, um 1960

© Sammlung Griebel, Foto: Jürgen Hoffmann


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Foto zeigt ein Riesenrad in der Ausstellung

Riesenrad – erbaut aus den Kleinteilen eines Metallbaukasten-Systems,

© LVR-Industriemuseum, Foto: Jürgen Hoffmann


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